Weinberge in Schweden und Dänemark? Was nach Science-Fiction klingt, ist längst Wirklichkeit. Weinkenner reisen inzwischen sogar gezielt nach Südschweden.
Dort besuchen sie Weingüter direkt am Meer, sprechen mit ehrgeizigen Winzerinnen und Winzern und lernen deren Arbeit im Keller kennen. Manche dieser „Önotouristen“, wie Fachleute sie nennen, bleiben gleich mehrere Tage – zum Beispiel auf dem Bio-Weingut Ästad Vingård am Kattegat, dem Meer zwischen Schweden und Dänemark, zwischen Göteborg und Helsingborg. Zum Gut gehören ein Hotel und ein Restaurant mit Michelin-Stern.
Seit 2025 dürfen schwedische Weingüter ihre Flaschen auch direkt vor Ort im Hofladen verkaufen. Das ist eine Ausnahme, denn normalerweise ist der Verkauf von Alkohol in Schweden Sache des Staates.
Dass im Norden überhaupt Wein entsteht, hat auch mit der EU zu tun – dem größten Weinproduzenten der Welt. Damit die Qualität stimmt und nicht zu viel Wein produziert wird, ist der Weinanbau in der EU streng reglementiert. Als Schweden 1995 der EU beitrat, war es kein anerkanntes Weinbauland und bekam deshalb keine Pflanzrechte. Erst eine Reform von 1999 erlaubte den schwedischen Winzern, Wein kommerziell herzustellen. Dänemark gilt seit 2000 offiziell als Weinbauland der EU. Heute gibt es in Schweden rund 100 Weingüter, von denen 55 Wein für den Verkauf produzieren; in Dänemark sind es sogar etwa 90 kommerzielle Betriebe.
Möglich macht das vor allem das Klima. Früher war es im Norden für Weinreben einfach zu kalt. Durch die gestiegenen Temperaturen ist es dort milder geworden, aber noch nicht zu heiß. Außerdem scheint die Sonne im skandinavischen Sommer viel länger als in Mittel- und Südeuropa. Und am Meer, wo die Rebstöcke stehen, schwanken die Temperaturen nur wenig. Vor allem im Süden Schwedens sind deshalb in den letzten Jahren viele neue Weinberge entstanden.
Ein weiterer wichtiger Grund kommt aus Deutschland: die weiße Rebsorte Solaris. Forscher des Staatlichen Weinbauinstituts in Freiburg im Breisgau haben sie 1975 durch Kreuzung neu gezüchtet. Die Sorte ist robust und wird vom Mehltaupilz kaum befallen. Ihre Trauben reifen schon früh im Jahr, und kühles Wetter macht ihr nichts aus. Deshalb setzen die meisten Winzer in Dänemark und Schweden vor allem auf diese Sorte. Daneben bauen sie noch ein paar andere Sorten an, darunter auch rote.