Ein Vampir klingelt an der Tür, hinter ihm warten zwei kleine Hexen und ein Gespenst aus einem alten Bettlaken. „Süßes oder Saures!“ – es ist der 31. Oktober, Halloween. Aber warum erschrecken wir einander in dieser Nacht so gern?
Angst mit Happy End
Psychologen haben für dieses widersprüchliche Gefühl ein eigenes Wort: Angstlust. Wenn wir uns gruseln – etwa bei einer Geistergeschichte oder beim Anblick eines Monsterkostüms –, reagiert der ganze Körper. Er schüttet Hormone wie Adrenalin aus, das Herz schlägt schneller, und plötzlich sind wir hellwach. Weil wir aber genau wissen, dass uns nichts passieren kann, kommt nach dem Schreck etwas Schönes: ein echtes Glücksgefühl.
Dazu kommt der Spaß am Rollenspiel. Für einen Abend schlüpfen wir in die Rolle eines Monsters und erschrecken uns gegenseitig. Dabei ist allen klar: Hinter der schaurigen Maske steckt nur die beste Freundin oder der kleine Bruder. Genau das macht den Grusel harmlos – und unterhaltsam.
Ein Fest mit langer Geschichte
Wo Halloween genau seinen Ursprung hat, weiß niemand sicher. Oft denkt man an die Kelten, die vor langer Zeit im heutigen Irland lebten. Vor über 2000 Jahren feierten sie dort „Samhain“, das Fest am Ende des Sommers und am Anfang des Winters. Vermutlich glaubten sie, dass in dieser Zeit die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders dünn war. Geister konnten also zurückkommen. Um die bösen Geister zu vertreiben, machten die Menschen Feuer. Viel mehr wissen wir nicht, denn die Kelten haben über ihre Bräuche fast nichts aufgeschrieben.
Später wurde Europa christlich, und die alten Traditionen verbanden sich mit zwei christlichen Feiertagen: Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November. An diesen Tagen gedenken Christen der Heiligen und der Verstorbenen. Den Abend vor Allerheiligen nannte man auf Englisch „All Hallows' Eve“ – daraus entstand später das Wort „Halloween“.
Dass wir Halloween heute vor allem aus den USA kennen, hat einen einfachen Grund: Im 19. Jahrhundert brachten irische Einwanderer die Tradition nach Amerika. Dort wurde daraus ein großes Volksfest, das man heute auf der ganzen Welt kennt.
Gruselige Feste gibt es aber nicht nur in Irland und in den USA. Der Glaube an Geister, Hexen und das Jenseits ist ein weltweites Phänomen. Schon immer haben Menschen versucht, rätselhafte Dinge mit Geschichten und Bräuchen zu erklären.