In fast jeder deutschen Stadt gibt es eine Volkshochschule, kurz VHS. Dort lernen Erwachsene – und nicht nur Sprachen.
Tetiana Romanovska kommt aus Odessa in der Ukraine. Als vor ihrer Stadt die ersten Kriegsschiffe zu sehen waren, ist sie mit ihrem Mann geflohen. Die Reise ging über die Slowakei und Österreich nach Deutschland. Schon eine Woche nach der Ankunft saß sie in München im Klassenraum: in einem Deutschkurs der Volkshochschule für Geflüchtete.
In ihrem Kurs waren viele Frauen aus der Ukraine. Sie haben nicht nur Wörter und Grammatik gelernt, sondern auch über ihre Erlebnisse gesprochen. Schon die erste Stunde war sehr emotional. Aus den Teilnehmerinnen sind Freundinnen geworden – bis heute. Inzwischen hat Tetiana den B2-Kurs abgeschlossen. Für sie ist klar: Wer in einem Land lebt, muss wenigstens die Grundlagen der Sprache lernen.
Aber die VHS bietet viel mehr an als Sprachkurse. Tetiana hat an historischen Stadtführungen teilgenommen und einen Kurs über das politische System Deutschlands besucht. Als Nächstes möchte sie einen Kochkurs machen und lernen, wie man Sushi macht. Auch Singen interessiert sie, obwohl sie sehr schlecht singt – das sagt sie selbst und lacht.
Und es gibt noch eine Überraschung: In der Ukraine war Tetiana Lehrerin für Englisch und Spanisch. Kurz nach ihrer Ankunft hat die VHS sie gefragt, ob sie selbst unterrichten möchte. Sie hat Ja gesagt – für sie die beste Entscheidung. Die Arbeit gibt ihrem Alltag Struktur und hilft bei der Integration. Am liebsten unterrichtet sie ältere Menschen, die trotz Problemen mit der Gesundheit mit viel Freude eine neue Sprache lernen.
Warum gehen so viele Menschen an die VHS? Die Kurse sind günstig, denn die Volkshochschulen bekommen Geld von der Stadt oder vom Land. So sollen möglichst viele Menschen lernen können – egal, wie alt sie sind. Heute ist die VHS für Tetiana so etwas wie ein zweites Zuhause.