Bayern liegt weit weg vom Meer. Trotzdem kommen einige der besten Surfer der Welt in die Nähe von München. Der Grund ist ein riesiges Becken, in dem eine Maschine die Wellen macht.
Die Anlage heißt Surftown MUC. Sie liegt in Hallbergmoos, einem kleinen Ort direkt beim Münchner Flughafen, und ist erst zwei Jahre alt. Das Becken ist 180 Meter lang und fasst elf Millionen Liter Wasser. Der Bau hat 45 Millionen Euro gekostet. Damit gehört Surftown MUC zu den größten Surfparks in Europa.
Wie entsteht hier eine Welle? An einer Seite des Beckens liegen 34 große Kammern unter der Erde. In diese Kammern wird zuerst Luft gesaugt. Danach drückt man die Luft nach unten auf große Klappen, und die Klappen schieben das Wasser ins Becken. So kann man kleine Wellen für Anfänger machen, aber auch Brecher bis 2,20 Meter für Profis. Ein „Wellenmeister“ steuert die Maschinen aus einem Turm über dem Becken. Sie laufen 16 Stunden am Tag, von 7 bis 23 Uhr. Bis zu 56 Menschen dürfen gleichzeitig im Wasser sein, und Rettungsschwimmer passen auf.
Einer der Profis, die hier trainieren, ist Leon Glatzer, 29. Er wurde auf Hawaii geboren, seine Eltern kommen aus Deutschland. Mit zwei Jahren ging er mit seiner Mutter nach Costa Rica und wuchs dort am Strand auf. Mit 15 wurde er Surfprofi. Am Anfang hatte er kaum Geld: Auf Reisen schlief er bei Freunden auf dem Boden, oft in der großen Tasche für seine Surfbretter. Heute bezahlen Sponsoren seine Reisen und seine Ausrüstung.
Warum trainiert er ausgerechnet in Bayern? Im Meer wartet man oft lange auf eine gute Welle. Manchmal ist kein Wind da, manchmal gibt es Sturm. Im Becken bekommt ein Surfer dagegen zehn bis zwölf Wellen pro Stunde, und jede dauert bis zu 25 Sekunden. Auch sein Trainer Martin Walz sieht darin den großen Vorteil: Die Wellen sind zuverlässig, und man kann das Training genau planen.
Leon trainiert jeden Tag morgens und abends je zwei Stunden im Becken. Dazu kommen Kraft- und Ausdauertraining, ein Physiotherapeut und ein Mentaltrainer. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. Bei Olympia war er schon einmal: 2021 war er der erste deutsche Surfer, der dort startete. Besonders gut ist er in der Luft. Er benutzt die Kante der Welle wie eine Rampe, fliegt hoch und landet wieder auf der Welle.
Nur das Wetter in Bayern gefällt dem Surfer nicht so gut. An einem Tag im Mai hat die Luft gerade mal 8 Grad, das Wasser nur 14 Grad. Leon trägt zwar einen Neoprenanzug, aber er gibt offen zu, dass er die Kälte hasst. Kein Wunder, dass er sich nach dem Training vor allem auf eines freut: eine heiße Dusche.