Ein Magnet für den Kühlschrank, eine Schneekugel, ein kleiner Krug: Fast jeder bringt aus dem Urlaub etwas mit. Doch was verraten diese Dinge eigentlich über einen Ort – und was über uns? Ein Blick in die Souvenirläden am Frankfurter Römerberg.
Ein Krug als Symbol
Wer in Frankfurt einen Souvenirladen betritt, entdeckt schnell den Star des Sortiments: den Bembel. Der graue Steinkrug mit dem blauen Blumenmuster ist das Aushängeschild Hessens – und darauf sind die Hessen durchaus stolz. Die Apfelweinkultur der Region gehört nämlich zum immateriellen Kulturerbe. Den Krug gibt es in allen erdenklichen Größen: vom Mini-Bembel, kaum größer als ein Fingerhut, bis zum Exemplar im Format einer Milchkanne.
Neben dem Bembel stapeln sich Teller, Tassen und Magnete, aber auch Räuchermännchen und Kuckucksuhren. Hier stutzt man: Stammen die Räuchermännchen nicht aus dem Erzgebirge und die Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald? Natürlich gehören beide zum Bild von Deutschland. Doch in Frankfurt wird eine regionale Identität einfach über die andere gestülpt.
Eine Kuckucksuhr für Frankfurt
Manchmal wird das Fremde sogar passend gemacht – eine Journalistin nennt das ironisch „frankfurtifizieren“. Bei manchen Kuckucksuhren ruft der Kuckuck nicht mehr aus einer Schwarzwaldhütte, sondern vom Römerberg. Und statt der Gewichte in Form von Tannenzapfen baumeln kleine Bembel an den Ketten. Die Illusion wäre fast perfekt – wenn nicht ab und zu eine Figur mit rotem Bollenhut auf dem Frankfurter Platz stehen würde.
Kitsch oder Kult?
An Souvenirs scheiden sich die Geister. Die einen finden sie potthässlich und kitschig, die anderen freuen sich schon auf den nächsten Magneten für den Kühlschrank. Kitsch hat dabei eine wichtige Aufgabe: Er weckt Sehnsucht und zeigt eine schönere Version der Wirklichkeit. Eine Schneekugel lässt Glitzer auf Frankfurt rieseln – und vielleicht sieht man darunter nicht mehr, was die Tauben an der Galluswarte, einem mittelalterlichen Wachturm, hinterlassen haben.
Alle Souvenirs haben eines gemeinsam: Sie verdichten eine Stadt auf wenige Bilder. Auf Frankfurter Tellern und Tassen spielt sich das Leben fast nur an zwei Orten ab – im nüchternen Bankenviertel mit seinen geraden Linien und auf dem Römerberg mit den historischen Fachwerkhäusern. Manchmal kommen noch eine Brezel oder der Bundesadler dazu.
Neun Buchstaben als Statussymbol
Was fast nie fehlt, ist der Name der Stadt. Das macht nachdenklich: Sind die Sehenswürdigkeiten nicht bekannt genug? Oder braucht der Tourist bei seinen vielen Magneten eine Erinnerungshilfe? Vielleicht haben die neun Buchstaben auch eine ganz andere Funktion. Sie zeigen jedem Gast, der vor dem Kühlschrank steht: Hier wohnt jemand, der weit gereist ist – nach Los Angeles, nach Kapstadt, nach Nizza. So wird das Souvenir zum Statussymbol.
Das Wort „Souvenir“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „Erinnerung“. Genau darum geht es am Ende. Ob man durch einen Magneten wirklich etwas über die hessische Identität lernt, ist fraglich. Viel wichtiger ist das Gefühl, das er weckt: die Frühlingsluft am Main oder der erste Glühwein auf dem Römerberg. Jeden Morgen, wenn man die Marmelade aus dem Kühlschrank holt, ist dieses Gefühl kurz wieder da.