Um 20 Uhr ist der Supermarkt zu, am Sonntag sowieso. Viele Gäste aus dem Ausland wundern sich über die deutschen Einkaufszeiten. Dahinter steht eine lange Geschichte – und ein Streit, der bis heute nicht zu Ende ist.
Von 18.30 Uhr bis 20 Uhr
Jahrzehntelang mussten die meisten Geschäfte in Deutschland schon um 18.30 Uhr schließen. Erst vor 30 Jahren änderte sich das: Mit einem neuen Ladenschlussgesetz durften die Läden ab November 1996 montags bis freitags bis 20 Uhr und samstags bis 16 Uhr öffnen.
Schon damals gab es viel Streit. Die Regierung und die Wirtschaft wollten längere Öffnungszeiten, denn so können die Menschen mehr kaufen. Die Gewerkschaften protestierten: Die Angestellten brauchen faire Arbeitsbedingungen und Zeit für ihre Familie.
Seit 2006 entscheidet jedes Bundesland selbst über die Öffnungszeiten. Deshalb gibt es heute große Unterschiede: Manche Bundesländer erlauben sehr lange Öffnungszeiten, in anderen – zum Beispiel in Bayern – ist um 20 Uhr Schluss.
Zwei Seiten, zwei Meinungen
Der Handelsverband Deutschland (HDE) findet die längeren Zeiten gut. Steven Haarke vom HDE sagt, dass vor allem die Kunden davon profitiert haben. Außerdem müssen die Geschäfte heute mit dem Onlinehandel konkurrieren, sagt er – und online kann man ja immer einkaufen.
Die Gewerkschaft Verdi sieht das anders. Silke Zimmer, die bei Verdi für den Handel zuständig ist, kritisiert: Seit 1996 sind die Arbeitsbedingungen immer schlechter geworden. Die Arbeitszeiten sind schwer zu planen, und es gibt immer weniger Vollzeitjobs. Stattdessen arbeiten viele Menschen Teilzeit oder im Minijob. Das bedeutet wenig Geld – heute und später bei der Rente.
Und der Sonntag?
Besonders emotional ist das Thema Sonntag. Traditionell ist er für Familie, Erholung und Freunde da. Für Verdi ist Arbeit am Sonntag deshalb ein Angriff auf das Familienleben. Der HDE meint dagegen, Shopping sei heute auch Freizeit und ein Spaß für die ganze Familie.
Die Diskussion geht weiter. Sicher ist schon: Bibliotheken und Bäckereien werden sonntags länger öffnen. In Brandenburg sollen kleine Supermärkte ohne Personal bald sogar rund um die Uhr öffnen dürfen. Verdi warnt aber: Auch für solche Läden müssen indirekt Menschen arbeiten. Und die bayerische Landesregierung will gar nichts ändern.