Wind, Sonne und viel Geduld: Im deutschen Videospiel „Solarpunk“, das im Juni erschienen ist, überlebt nur, wer mit der Natur arbeitet. Die österreichische Zeitung Der Standard hat es getestet.
Eine ehrliche Warnung
Kurz vor dem Start passierte etwas, das in der Spielebranche selten ist: Das kleine Studio Cyberwave warnte die Fans vor seinem eigenen Spiel. Über 1,2 Millionen Menschen hatten „Solarpunk“ auf ihre Wunschliste bei Steam gesetzt, die Demo war mehr als eine halbe Million Mal gespielt worden. Bei solchen Zahlen könnten manche ein riesiges Überlebensspiel erwarten, an dem Hunderte Leute gearbeitet haben, schrieben die Entwickler. Genau das sei „Solarpunk“ aber nicht.
Es gibt keine Kämpfe gegen andere Spieler, keine lange Geschichte und keine Spielzeit von Hunderten Stunden. Stattdessen versprach das Studio ein ruhiges, gemütliches Spiel, gemacht von einem winzigen Team mit viel Liebe. Diese Offenheit passt zu einem Spiel, das ganz bewusst seinen eigenen Weg geht.
Allein auf einer Insel im Himmel
Am Anfang wacht man allein auf einer kleinen Insel auf, die im Himmel schwebt. Es gibt keinen Begleiter, keine Stimme und keine Geschichte, nur ein paar einfache Aufgaben: Äste sammeln, Steine zerschlagen, eine Werkbank bauen. Danach ist man auf sich allein gestellt. Die Startinsel hat man in zehn Minuten erkundet, versteckte Höhlen gibt es nicht. Holz, Stein, etwas Lehm und Eisenerz – mehr nicht. Die Überraschungen kommen erst später.
Mit der Natur, nicht gegen sie
Das wichtigste Prinzip des Spiels ist ökologisch. Wer einen Baum fällt, pflanzt einen neuen Setzling. Energie kommt zuerst aus Holz, später aus Solaranlagen und Windturbinen. Deshalb spielt auch das Wetter eine Rolle: An bewölkten Tagen liefern die Solaranlagen weniger Strom, ein Sturm ist gut für die Windturbinen, kann aber die Felder beschädigen. Wer seine Siedlung gut führen will, muss den Himmel im Blick behalten.
Mit dem Luftschiff von Insel zu Insel
Das Herzstück des Spiels ist ein Luftschiff. Die Steuerung ist am Anfang kompliziert, aber mit Hinweisen auf dem Bildschirm lernt man sie schnell. Der Flug zu anderen Inseln dauert nur ein paar Minuten, das Andocken verlangt aber Sorgfalt. Und die Inseln sind sehr verschieden: Auf manchen gibt ein Roboter-Händler Aufgaben und belohnt die Spieler mit neuen Bauplänen, andere haben nur Rohstoffe. Wer weiterkommen will, muss also losfliegen.
So wird aus einer einfachen Holzhütte nach und nach ein großes, gut geplantes Anwesen mit Fenstern, Möbeln und mehreren Stockwerken. Auch beim Gemüse- und Obstanbau muss man nachdenken, denn jede Pflanze braucht etwas anderes. Himbeersträucher sind besonders praktisch: Ihre Früchte helfen gegen Hunger und Durst. Am besten ist „Solarpunk“ aber im Team: Bis zu vier Personen können zusammen spielen und sich die Arbeit teilen.
Was das Spiel von anderen unterscheidet, ist vor allem die Atmosphäre: grüne Wiesen, blauer Himmel, das leise Summen der Solaranlage und das Rauschen des Windes. Eine Welt, in der man gern ein bisschen länger bleibt.