In Deutschland fahren sehr viele Menschen Fahrrad. Aber nicht alle haben es als Kind gelernt. In München gibt es deshalb einen speziellen Kurs für Erwachsene.
Den Kurs organisiert der ADFC, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club. Der Kurs findet auf der Theresienwiese statt – dort feiert man im Herbst auch das Oktoberfest. Rigas Wendel leitet die Radfahrschule des ADFC in München. Er arbeitet ehrenamtlich, also ohne Geld. Eine Kollegin hilft ihm.
Der Kurs dauert vier Tage an zwei Wochenenden, jeden Tag drei Stunden. Diesmal machen sieben Personen mit – alle sind Frauen. Das ist typisch, sagt Wendel: Fast immer kommen Frauen in den Kurs, und die meisten Teilnehmerinnen sind nicht aus Deutschland. Denn wo Radfahren nicht üblich ist, lernen es eher die Jungen, nicht die Mädchen.
Sophia Corona Torres kommt aus Mexiko und lebt seit gut zwei Jahren in Deutschland. In ihrer Heimatstadt ist Radfahren gefährlich, erzählt die 28-Jährige: Die Autofahrer nehmen keine Rücksicht auf Radfahrer. In Deutschland ist das Fahrrad aber ein wichtiger Teil der Kultur. Darum will sie jetzt endlich Rad fahren lernen.
Zeineb Khelifi aus Tunesien hatte einen Unfall mit dem E-Scooter. Seitdem hat sie Angst. Im Kurs möchte sie sich wieder sicher fühlen. Und sie hat noch einen Grund: Mit Bus und Bahn braucht sie 50 Minuten zur Arbeit, mit dem Fahrrad nur 20.
Die Frauen üben Schritt für Schritt: um kleine Plastikhütchen herumfahren, in der Kurve abbiegen, bremsen, die Gangschaltung benutzen. Für den Straßenverkehr sind sie nach dem Kurs aber noch nicht bereit. Sie sollen erst an ruhigen Orten weiterüben. Am letzten Tag fahren alle zusammen in den Westpark – mehr als drei Kilometer weit.
Sophia ist schon jetzt sehr stolz. Sie will heute noch weiterüben. Denn nachher bekommt sie ein Geschenk: das alte Fahrrad ihrer Schwiegermutter.