2025 ist Rabea Rogge als erste deutsche Frau in den Orbit geflogen – und als dreizehnter Mensch aus Deutschland überhaupt. Mit der privat finanzierten Mission Fram2 hat sie die Erde 56-mal umrundet. Inzwischen hat sie ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben. In einem Interview mit Deutsch perfekt hat sie davon erzählt.
Eigentlich ist Rogge Elektroingenieurin. In Norwegen schreibt sie ihre Doktorarbeit über Roboter: Sie untersucht, wie Maschinen in extremen Umgebungen Entscheidungen treffen. Privat liebt sie das Abenteuer. Sie war auf Expeditionen im Ozean vor Westafrika und in der Arktis, und nach dem Studium war sie drei Monate mit Sea Shepherd auf See, einer Organisation zum Schutz der Meere.
Diese Zeit auf dem Schiff hat ihr beim Training geholfen, erzählt sie. Auf See und im Raumschiff gelten nämlich ähnliche Regeln: Die Technik darf nicht versagen, Entscheidungen müssen schnell und ohne Fehler fallen, und Platz für sich allein hat man kaum. Darum sei gute Kommunikation essenziell. Wie wichtig dabei Vertrauen und Ehrlichkeit in einer Crew sind, sei ihr erst in der Vorbereitung richtig klar geworden.
Dass sie wirklich fliegen würde, hat Rogge nach eigenen Worten erst auf der Startrampe geglaubt. Denn der Termin eines Starts kann sich jederzeit verschieben – kurz davor gab es sogar ein heftiges Gewitter. Dann hörte sie ein tiefes Grollen und spürte, wie alles wackelte. Als die Crew plötzlich schwerelos war, fand sie das fantastisch. Ihr Kollege Eric probierte sofort aus, wie man durch die Kabine schwebt. Ihr selbst ist zuerst schlecht geworden.
Später ging es ihr besser, und sie konnte auch essen. Das Essen im All fand sie in Ordnung, aber nicht mehr. Lustig war, dass sich die Crew M&Ms durch die Kabine zuwarf, und es gab eine Art Bonbon mit Kaffeegeschmack und Koffein. Rogge wünscht sich, dass Weltraumessen besser wird, denn auf langen Missionen ist gutes Essen wichtig für die Moral. Das kennt sie schon vom Schiff: Dort hatte ihrer Meinung nach der Koch den wichtigsten Job.
An Bord hat die Crew 20 Experimente gemacht, zum Beispiel für die NASA und die Berliner Charité. Vermutlich am wichtigsten war die Frage, wie gut sich der menschliche Körper an extreme Bedingungen anpasst. Einen Konflikt zwischen privaten und wissenschaftlichen Interessen gab es laut Rogge nicht: Die ganze Crew wollte das Beste aus der Mission machen. Wer zu den ersten rund 700 Menschen im All gehört, habe ein großes Privileg – und müsse der Gesellschaft etwas zurückgeben. Für sie ist das die Wissenschaft.
In den Medien war oft vor allem Thema, dass sie die erste deutsche Frau im All war. Das hat sie manchmal genervt. Trotzdem findet sie das Thema wichtig: Die Forschung habe noch große Lücken, wenn es um Frauenkörper gehe – auf der Erde genauso wie im All. Gleichzeitig wünscht sie sich eine Gesellschaft, in der Talent und Expertise zählen und nicht das Geschlecht.
Noch einmal ins All zu fliegen, ist für Rogge keine Priorität. Wichtiger ist ihr, mit Freude zu arbeiten und mit ihrer Forschung zur Robotik etwas für die Gesellschaft zu tun. Die Crew und die Zeit im All vermisst sie aber sehr. Als sie nach der Landung einen Becher Wasser in der Hand hielt, wurde ihr klar, dass sie Flüssigkeit ohne Schwerkraft wohl nie wieder beobachten wird.