Eine Kuppel, die 14.000 Tonnen wiegt, Platz für 60.000 Menschen und 120 Jahre Bauzeit: Vor 400 Jahren, am 18. November 1626, wurde der Petersdom in Rom von Papst Urban VIII. geweiht. Seine Geschichte erzählt von Kunst und Macht – und von einem Streit, der Europa veränderte.
Eine Kirche über einem Grab
Schon lange vor dem heutigen Bau stand an derselben Stelle eine Kirche. Konstantin der Große, der erste christliche Kaiser Roms, ließ sie ab etwa 318 errichten – über dem Ort, an dem man das Grab des Apostels Petrus vermutete. Petrus soll der erste Bischof von Rom gewesen und um das Jahr 64 unter Kaiser Nero hingerichtet worden sein. Für die katholische Kirche ist er besonders wichtig, denn die Päpste gelten als seine Nachfolger.
Ob Petrus wirklich in Rom war, ist allerdings nicht bewiesen. Der Journalist und Vatikan-Kenner Andreas Englisch betont, dass die Bibel dafür keinen einzigen Hinweis enthält. Sicher sei nur, dass jemand um das Jahr 150 in Rom einen Grabstein mit der Inschrift „Petrus ist hier“ aufgestellt habe.
120 Jahre Bauzeit
Rund 1200 Jahre lang zog die alte Basilika Pilger an. Dann war sie baufällig – und Papst Julius II. wollte ohnehin ein prächtigeres Gotteshaus, in dem auch seine eigene Grabstätte Platz finden sollte. 1505 ließ er einen Neubau planen, 1506 wurde der Grundstein gelegt. Den ersten Entwurf lieferte der Baumeister Donato Bramante: eine Kirche in Form eines griechischen Kreuzes mit einer großen Kuppel in der Mitte.
Doch Julius und Bramante starben lange vor dem Ende der Arbeiten, und ihre Nachfolger hatten eigene Ideen. Nach Bramante arbeiteten zwölf Baumeister am Petersdom, und mit den Päpsten stritten sie oft erbittert um Details. Raffael änderte den Grundriss in ein lateinisches Kreuz, Carlo Maderno gestaltete die Fassade, Gian Lorenzo Bernini später den Petersplatz mit seinen Kolonnaden. Als wichtigster Künstler gilt aber Michelangelo. Er prägte entscheidend die Kuppel, die innen einen Durchmesser von 41,50 Metern hat. Von ihm stammt auch die berühmte Pietà, eine Skulptur aus Marmor, die Maria mit dem toten Jesus zeigt.
Gebaut mit dem Geld der Sünder
Der riesige Bau war enorm teuer. Bezahlt wurde er unter anderem mit dem Ablasshandel: Gegen Geld konnten sich Gläubige – so versprach die Kirche – von den Strafen für ihre Sünden freikaufen. Diese Praxis und die verschwenderische Pracht des Baus empörten Martin Luther und seine Anhänger – und gaben der Reformation kräftigen Schwung.
Für Englisch ist der Petersdom deshalb nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch ein politisches Denkmal. Als Beispiel nennt er das Grabmal der schwedischen Königin Christina gleich am Eingang. Sie regierte das größte protestantische Land ihrer Zeit, trat aber 1654 zum katholischen Glauben über. Ihr Grabmal an so prominenter Stelle sollte jedem Besucher zeigen: Selbst eine so bedeutende Protestantin hatte sich für den Katholizismus entschieden.
Sensoren für die nächsten 400 Jahre
Damit der Dom noch lange steht, wird sein Zustand ständig überwacht. Risse in der Kuppel wurden schon im 17. Jahrhundert dokumentiert. Heute hilft moderne Technik: Wissenschaftler haben 18 Monate lang alle Teile des Gebäudes vermessen und ein 3D-Modell erstellt. Sensoren und Kameras messen nun Bewegungen bis auf den Millimeter genau, sodass die Fachleute bei Gefahr sofort reagieren können.