Sie sind größer als manche Städte, fast menschenleer und für viele Staaten so wichtig wie Kraftwerke oder Häfen: Mega-Fabriken für Chips, Batterien und Elektroautos. Hier entscheidet sich, wer die Technologien von morgen beherrscht.
Fabriken als Machtfaktor
Lange Zeit zogen Fabriken einfach dorthin, wo Löhne und Produktionskosten am niedrigsten waren. Heute gelten sie als strategische Infrastruktur. Mit Förderprogrammen in Milliardenhöhe versuchen Regierungen, Unternehmen ins eigene Land zu locken, und viele Staaten kämpfen um neue Standorte. Die Dimensionen sind gewaltig: Das neue Werk des chinesischen Autobauers BYD in Zhengzhou ist rund 130 Quadratkilometer groß – etwa so groß wie San Francisco. Jede Minute verlässt dort ein neues Elektroauto das Band, Roboter schweißen die Karosserien zusammen, und eine KI überwacht die Produktion.
Wie abhängig die Welt von wenigen Orten ist, zeigt Taiwan. Etwa 60 Prozent aller Halbleiter werden dort hergestellt, und mehr als 90 Prozent der modernsten Hochleistungschips stammen von einem einzigen Konzern: TSMC. Achim Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, warnt: Wenn wichtige Bauteile fast nur aus einer Region kommen, kann aus wirtschaftlicher Abhängigkeit schnell ein Sicherheitsrisiko werden. Eigene Werke kosten zwar mehr, machen ein Land aber widerstandsfähiger in Krisen. Deshalb will Europa bis 2030 deutlich mehr Chips selbst produzieren, und auch die USA und China investieren riesige Summen.
Kaum noch Menschen am Band
Wer eine solche Fabrik betritt, findet kaum noch lärmende Maschinen und hektische Fließbandarbeit. Stattdessen gibt es sterile Reinräume, fahrerlose Transportfahrzeuge und Roboterarme, die sich fast lautlos bewegen. Maschinen, Software und Daten kommunizieren ständig miteinander. Florian Degen vom Fraunhofer-Institut betont, dass nicht allein die Größe entscheidet, sondern der modulare Aufbau: Schon eine einzige Halle kann jedes Jahr Batterien mit rund zehn Gigawattstunden herstellen – genug für etwa 200.000 Elektroautos. Steigt die Nachfrage, wird einfach ein weiteres Modul angebaut.
Manche träumen bereits von der „Dark Factory“, einer Fabrik, die fast ohne Menschen rund um die Uhr produziert – theoretisch sogar im Dunkeln. Ganz ohne Menschen wird es nach Degens Einschätzung aber nicht gehen: Für Reparaturen und Wartung werden sie weiter gebraucht, und manche Aufgaben erledigen sie flexibler und sogar günstiger als ein Roboter. Der Wirtschaftspsychologe Gunther Olesch sieht in der Automatisierung für Deutschland sogar eine Chance: Weil die Bevölkerung immer älter wird, könne KI helfen, den Fachkräftemangel auszugleichen.
Das Herz der digitalen Welt
Das eigentliche Herz dieser Fabriken schlägt allerdings woanders – in riesigen Rechenzentren. Von außen sehen sie unscheinbar aus – große Hallen aus Beton und Stahl, ganz ohne Fenster. Drinnen verarbeiten Hunderttausende Prozessoren Tag und Nacht Daten, steuern Produktionsprozesse und trainieren KI. 2025 steckten allein Amazon, Microsoft, Google und Meta zusammen mehr als 300 Milliarden US-Dollar in neue Rechenzentren.
Diese Entwicklung hat ihren Preis. Schon der Bau eines großen Rechenzentrums mit 100 Megawatt Leistung verursacht rund 30.000 Tonnen CO₂. Danach braucht es für die Kühlung jedes Jahr etwa 365 Millionen Liter Wasser. Rechenzentren verbrauchen schon heute gut vier Prozent des Stroms in Deutschland – Tendenz steigend. Der Berliner Forscher Ralph Hintemann fordert deshalb einen schnellen Ausbau der Stromnetze und bessere Speicher. Neue Gaskraftwerke neben den Rechenzentren hält er nicht für eine nachhaltige Lösung.
Am Ende verfolgen alle Mega-Fabriken dasselbe Ziel: technologische Unabhängigkeit. Degen vergleicht eigene Produktionskapazitäten mit einer Versicherung: Solange alles funktioniert, scheinen sie überflüssig – brechen die Lieferketten aber zusammen, ist man froh, sie bezahlt zu haben. Und Olesch meint, Deutschland habe hervorragende Ingenieure. Oft fehle aber der Mut, neue Technologien entschlossen voranzutreiben.