Billige Lebensmittel, ein schlichtes Logo in Blau, Gelb und Rot – und trotzdem Kult. Der deutsche Discounter Lidl verkauft längst mehr als Milch und Brot, sogar in New York.
Ein Supermarkt als Sieg
Ein Supermarkt-Konzern und eine Initiative, die für mehr soziale Gerechtigkeit kämpft: Das passt eigentlich nicht zusammen. In New York City ist es trotzdem passiert. Die Anwohner eines Viertels an der Fifth Avenue hatten jahrelang dafür gekämpft, dass es dort bezahlbare Lebensmittel gibt. 2025 eröffnete an der Ecke Fifth Avenue und Baltic Street endlich eine Filiale – von Lidl. Die Nachbarschaftsinitiative „Fifth Avenue Committee“ feierte die Eröffnung als großen Sieg.
Aus Neckarsulm in die Welt
Gegründet wurde das Unternehmen 1930 in Neckarsulm in Baden-Württemberg. Dort ist bis heute der Firmensitz. Viele Jahrzehnte lang leitete Dieter Schwarz, der Sohn des Gründers, das Familienunternehmen. Heute ist er 86 Jahre alt und Eigentümer der Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört. Das Magazin Forbes schätzt sein Vermögen 2026 auf 58 Milliarden Euro. Damit wäre er der reichste Mensch Deutschlands.
Nach eigenen Angaben hat Lidl heute rund 12 900 Filialen in 32 Ländern. Etwa 3250 davon liegen in Deutschland, die meisten anderen in Europa. Die USA sind der einzige Markt außerhalb Europas. In diesem Punkt ist der Konkurrent Aldi breiter aufgestellt: Er hat auch Geschäfte in China und Australien.
Schwieriger Start in Amerika
2017 ist Lidl in den US-Markt eingestiegen. Inzwischen gibt es dort fast 200 Filialen, die meisten an der Ostküste. Aldi ist allerdings schon viel länger in den USA und hat mehr als 2600 Filialen – Lidl hinkt also weit hinterher. Der Anfang war holprig. Doch als die Lebensmittelpreise stark stiegen, wurden die deutschen Discounter für viele Amerikaner plötzlich interessant. Mit niedrigen Preisen und vielen Eigenmarken füllen sie eine Lücke auf dem Markt.
Croissant zum Umhängen
Lidl ist aber nicht nur günstig, sondern inzwischen auch Kult. In den letzten Jahren hat der Konzern einige Kultobjekte auf den Markt gebracht. Zusammen mit dem Designkollektiv Nik Bentel Studio entstand 2024 eine Handtasche in Form eines Croissants. Sie spielt auf das Croissant für 49 Cent an, das in den amerikanischen Filialen besonders beliebt ist. 2025 folgte ein Parfüm mit dem Namen „Eau de Croissant“, 2026 eine Handtasche, die wie ein Einkaufswagen aussieht.
Schon 2020 hatte Lidl in Deutschland für Aufsehen gesorgt: Turnschuhe in den Lidl-Farben waren in kurzer Zeit ausverkauft und wurden im Internet für ein Vielfaches des Preises weiterverkauft. Der Discounter hat begriffen: Wer billig ist, muss nicht langweilig sein.