Die Lichtburg in Essen ist fast 100 Jahre alt und hat den größten Kinosaal Deutschlands. Ihre Geschichte ist auch ein Stück deutsche Geschichte.
Das Kino wurde am 18. Oktober 1928 eröffnet, in den „Goldenen Zwanzigern“. Das Ruhrgebiet war damals eine der wichtigsten Industrieregionen Europas. Mit fast 2000 Plätzen und neuester Technik war die Lichtburg eines der modernsten Kinos Europas. Bei der Eröffnung spielte ein Orchester, und Tänzerinnen aus Paris traten auf.
Doch bald gab es Probleme. Für den neuen Tonfilm brauchte das Kino teure Umbauten, und nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 kamen weniger Besucher.
Später führte der jüdische Unternehmer Karl Wolffsohn das Kino. 1934 musste er es unter dem Druck der Nationalsozialisten an die Filmfirma Ufa verkaufen. Die Nazis nutzten die Lichtburg dann für ihre Propaganda. Am 5. März 1943 wurde das Kino bei einem Luftangriff schwer zerstört. Nur die Fassade blieb stehen.
Nach dem Wiederaufbau öffnete die Lichtburg am 23. März 1950 wieder. In den 1950er- und 1960er-Jahren war sie das wichtigste Premierenkino Deutschlands. Stars wie Romy Schneider und Buster Keaton kamen nach Essen, und auf der Bühne stand zum Beispiel Louis Armstrong.
Dann kam das Fernsehen, und viele Menschen blieben zu Hause. Im Ruhrgebiet mussten außerdem viele Zechen schließen, und die Arbeitslosigkeit stieg. In 15 Jahren schlossen in Essen etwa zwei Drittel aller Kinos. 1991 öffnete in der Innenstadt ein großes Multiplex-Kino. Mitte der 1990er-Jahre drohte der Lichtburg das Ende.
Aber viele Menschen kämpften für ihr Kino, auch der berühmte Regisseur Wim Wenders. Die Schließung wurde verhindert, und seit 1998 steht die Lichtburg unter Denkmalschutz. Nach einer langen Renovierung öffnete sie am 16. März 2003 wieder.
Heute hat der Saal noch rund 1250 Plätze – und ist damit immer noch der größte Kinosaal Deutschlands. Hier gibt es Filme, aber auch Konzerte, Lesungen, Kabarett und Theater. Im Sommer kann man Filme auch draußen im Freiluftkino sehen.