Wenn Staaten und Unternehmen zu wenig für den Klimaschutz tun, bleibt manchen Menschen nur ein Weg: der Weg vor Gericht. Die Juristin Roda Verheyen kennt ihn sehr gut.
Roda Verheyen ist 53 Jahre alt. Seit vielen Jahren zieht sie für den Klimaschutz vor Gericht. Meistens vertritt sie Menschen, die wegen der Klimakrise ein ganz konkretes Problem haben: Ihr Haus ist bedroht, oder ihre Gesundheit leidet. Ihr Grundsatz: Wer dem Klima Schaden zufügt, muss auch die Folgen tragen und Verantwortung übernehmen.
Klagen für das Klima können sich gegen ganz unterschiedliche Gegner richten. Manche verlangen von einem Staat strengere Klimagesetze. Andere fordern von einem Konzern Geld, damit Schäden nach Naturkatastrophen repariert werden können. Einfach ist das nie: Bei einem so komplizierten Thema ist es schwer zu beweisen, wer genau schuld ist. Deshalb dauern solche Verfahren oft viele Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte.
Zehn Jahre lang dauerte zum Beispiel ein Fall, in dem sie einen Bauern aus Peru vertrat. In den Anden, einem Gebirge in Südamerika, schmelzen die Gletscher. Dadurch waren sein Haus, sein Hof und seine Felder in Gefahr. Der Bauer verklagte den deutschen Energiekonzern RWE. Sein Argument: RWE verbrennt sehr viel Kohle, beschleunigt so die Klimakrise und ist damit mitverantwortlich dafür, dass das Eis in den Anden schmilzt. Deshalb sollte sich der Konzern an den Kosten für den Schutz von Haus und Hof beteiligen.
Am Ende bekam der Bauer kein Geld. Nach Ansicht des Gerichts lag sein Haus so weit vom Gletscher entfernt, dass kaum eine Überschwemmung drohte. Trotzdem hält Verheyen den Fall für einen Erfolg. Denn erstmals hat ein Gericht festgestellt: Auch ein Konzern kann grundsätzlich für Folgen des Klimawandels verantwortlich gemacht werden. Für die Juristin ist das ein Durchbruch.
Inzwischen ziehen weltweit Zehntausende Menschen wegen des Klimas vor Gericht – und so viele Erfolge wie heute gab es noch nie. Ein Beispiel kommt aus dem US-Bundesstaat Montana. Dort haben Jugendliche geklagt und recht bekommen: Bevor nach Öl oder Gas gebohrt wird, müssen die Behörden jetzt prüfen, welche Folgen das für das Klima haben kann.
Auch in Deutschland gab es einen wichtigen Moment: Das Bundesverfassungsgericht entschied, dass Klimaschutz eng mit den Grundrechten der Menschen verbunden ist. Solche Erfolge geben Verheyen Kraft für ihre Arbeit. Die Natur kann nicht selbst vor Gericht gehen – deshalb will die Juristin für sie sprechen.