Ob im Hotel, im Restaurant, auf dem Schiff oder im Wellnessbereich: Immer häufiger sind Kinder dort nicht erwünscht. Ist das einfach ein neues Angebot für Erwachsene – oder eine Form von Kinderfeindlichkeit? Zwei Fachleute sind hier ganz unterschiedlicher Meinung.
Ja: Andere Zielgruppen, anderes Angebot
Stephan Maeder leitet ein Hotel nur für Erwachsene im Schweizer Ferienort Interlaken. Seiner Meinung nach liegen solche Hotels seit einigen Jahren im Trend. Wer dort Urlaub mache, sei aber noch lange nicht gegen Kinder. Schließlich gebe es viele Familienhotels, die sich ganz auf die Bedürfnisse von Eltern und Kindern spezialisiert haben – mit Kinderbetreuung, Spielplätzen und Rückzugsorten.
Für Maeder ist ein klares Konzept entscheidend. Nur eine Rutsche im Garten oder eine lieblos gestaltete Spielecke reichten nicht, damit sich Familien wirklich wohlfühlen. Familien, Seminargäste, Honeymooner und viele andere Gäste hätten sehr verschiedene Wünsche. Ein mittelgroßes Hotel könne kaum alle gleichzeitig zufriedenstellen.
Die Vorteile eines Erwachsenenhotels sind für ihn klar: kein Lärm von tobenden Kindern, kein Babygeschrei und größere Zimmer, weil keine Extrabetten nötig sind. Sein Hotel sei nicht kinderfeindlich, es richte sich eben an andere Gäste – zum Beispiel an Singles, Motorradfahrer oder Menschen mit Hund. In einem Ort mit so viel Tourismus seien Ruhe und Erholung für diese Gäste besonders wichtig. So wisse jeder Gast sofort, ob das Haus zu ihm passt.
Nein: Kinder gehören dazu
Ganz anders sieht das Anne Lütkes, Präsidentin des Deutschen Kinderhilfswerks. Kinder gehörten in Deutschland zu den am stärksten marginalisierten Gruppen. Schon heute gebe es Klagen gegen Spielstraßen, und viele Spielplätze hätten nur begrenzte Öffnungszeiten. Wenn Hotels und Fluggesellschaften mit kinderfreien Zonen werben oder stillende Mütter ein Restaurant verlassen sollen, sei das nichts anderes als Kinderfeindlichkeit.
Natürlich, so Lütkes, könnten Kinder stören. Eltern müssten darauf achten, dass ihre Kinder nicht zwischen den Tischen herumrennen oder Teller auf den Boden werfen. Oft liege das aber weniger an den Kindern als an den Rahmenbedingungen: Zu wenige Restaurants und Hotels hätten Kinderstühle oder eine Spielecke. Und vielen Menschen fehle die Toleranz, wenn Kinder einmal lauter und lebendiger sind.
Wer Kindern den Zugang zu gemeinsamen Räumen verbietet, geht für Lütkes in die falsche Richtung. Das führe zu einer getrennten Gesellschaft. Kinder gehörten zur Gesellschaft und sollten überall teilnehmen dürfen – so lebendig und verspielt, wie sie eben sind.