Seit Jahrtausenden träumen Menschen davon, wie Vögel durch die Luft zu gleiten. Aber wer hat das erste Gleitflugzeug gebaut – und wer ist als Erster wirklich damit geflogen?
Dem Engländer Sir George Cayley (1773–1857) war früh klar, dass man sich nicht einfach zwei Flügel an die Arme schnallen und losfliegen kann. Schon 1810 beschrieb der Adlige aus Scarborough in Yorkshire, was ein Fluggerät braucht: Tragflächen, einen Antrieb und eine Steuerung. Damit hatte er das Grundprinzip jedes Flugzeugs formuliert. Deshalb nennt man ihn bis heute den „Vater der Aeronautik“.
1852 baute Cayley einen „steuerbaren Fallschirm“ – in Wahrheit das erste Gleitflugzeug der Welt. Es hatte eine Tragfläche, ein Leitwerk und einen Rumpf und hob ohne Piloten, nur mit Ballast, vom Boden ab. Zuvor hatte er bereits Tiere und Jungen als Passagiere mitfliegen lassen – das klappte nicht immer. Ein Jahr später soll Cayley seinen Kutscher überredet haben, mit einem größeren Modell von einem Hang zu starten. Angeblich kam der Mann 130 Meter weit. Ob das wirklich so passiert ist, wurde allerdings nie ganz geklärt.
Dass Cayleys Konstruktion tatsächlich einen Menschen tragen konnte, wurde erst viel später bewiesen. 1973 flog der englische Segelflieger Derek Piggott mit einem Nachbau des Gleiters, den ein Auto in die Luft zog. 2003 wagte es auch der britische Unternehmer Richard Branson – und flog mit dem Nachbau ein Stück.
Trotzdem gilt der Deutsche Otto Lilienthal (1848–1896) als erster Mensch, dem ein erfolgreicher Gleitflug gelang. 1891 machte er eine aufgelassene Sandgrube zwischen den Dörfern Derwitz und Krielow in Brandenburg zu seinem Flugplatz. Mit Flügeln, die er selbst entworfen hatte, segelte er zunächst bis zu 25 Meter weit. Später schaffte er Tausende Flüge, einige davon bis zu 250 Meter lang. 1894 ließ er sich in Berlin-Lichterfelde sogar einen eigenen Hügel aufschütten, den „Fliegeberg“. Weil der Hügel rund war, konnte er dort bei jeder Windrichtung starten.
Alle diese Pioniere teilten eine wichtige Erkenntnis: Fliegen hat mit Aerodynamik zu tun. Auftrieb und Vortrieb sind zwei verschiedene Dinge, und es kommt auf die Form und die Wölbung der Tragflächen an. Diese Grundlagen gelten bis heute – für das kleine Segelflugzeug genauso wie für den großen Passagierjet.