Zwei Schüler aus der Nähe von Hamburg, Niklas (13) und Johann (14), haben mit zwei bekannten Frauen über die Klimakrise gesprochen: mit der Kinderbuchautorin Cornelia Funke und der Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Ihre zentrale Frage: Wie verliert man nicht den Mut?
Zwei Stimmen für das Klima
Cornelia Funke, 67, ist die international erfolgreichste deutsche Kinderbuchautorin. Bekannt wurde sie mit Büchern wie „Die Wilden Hühner“ und „Tintenherz“. Luisa Neubauer, 30, gehört zu den bekanntesten Klimaaktivistinnen Deutschlands. Beide halten Klimaschutz für eine Frage der Gerechtigkeit. Funke betont, dass gerade Menschen in Ländern, die die Krise kaum verursacht haben, den höchsten Preis zahlen – viele haben schon ihre Heimat verloren. Neubauer findet es auch jungen Menschen gegenüber unfair: In der Schule sollen sie sich für ihre Zukunft anstrengen und lernen gleichzeitig, wie stark diese Zukunft bedroht ist.
Funke hat viele Jahre in Kalifornien gelebt. Für sie ist die Region ein Schaufenster der Klimakrise: tote Wälder und riesige Feuer, die immer häufiger kommen. Mehrmals musste sie vor den Bränden fliehen, und ein gepackter Koffer stand immer bereit. Mit diesem Gefühl wollte sie nicht mehr leben, deshalb ist sie nach Europa zurückgekehrt. Sie weiß aber, dass viele Menschen diese Wahl nicht haben und nicht einfach umziehen können.
Warum passiert so wenig?
Neubauer unterscheidet zwischen Naturkatastrophen und Klimakatastrophen. Waldbrände hat es immer gegeben, und ökologisch sind sie nicht nur schlecht: Danach wird der Boden wieder fruchtbar. Doch weil die Menschen das Klima so stark verändert haben, gibt es heute extreme Feuer, auf die weder Wälder noch Menschen vorbereitet sind. Die Politik, so Neubauer, müsste deutlich sagen, wie ernst die Lage ist – sonst bereitet sich niemand richtig auf Hochwasser oder Hitzewellen vor. Warum das nicht geschieht? Funke meint, die Menschen wollten es bequem haben. Neubauer meint, viele wüssten mit dem Verstand über die Krise Bescheid, fühlten sie aber nicht wirklich. Außerdem redeten Politiker nicht gern über Probleme, die sich nicht leicht lösen lassen.
Auch die Zusammenarbeit zwischen den Ländern ist schwierig. Klimaabkommen kosten die Staaten zunächst viel Geld. Deshalb finden es manche verlockend, zu schummeln. Dabei ist guter Klimaschutz auf lange Sicht billiger als die Folgen der Erhitzung. Dass Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigt für Neubauer die Antarktis: Vor über 50 Jahren haben zwölf Länder beschlossen, den Kontinent nicht industriell auszubeuten. Heute machen mehr als 50 Staaten mit, und alle halten sich daran.
Was Hoffnung bedeutet
Ist es also schon zu spät? Nein, sagt Neubauer. Man kann dafür sorgen, dass die Erhitzung weniger stark wird – und auch kleine Schritte zählen: der Einsatz für einen Vogel, für eine Tierart, die nicht ausstirbt. Funke erinnert daran, dass Politiker von den Stimmen der Wählerinnen und Wähler abhängig sind. Wenn viele Menschen etwas fordern, wird das Thema in der Politik wichtiger.
Und wie behalten die beiden selbst die Hoffnung? Funke tankt Kraft in der Natur, zum Beispiel wenn sie den Vögeln vor ihrem Fenster zuhört. Für sie darf Hoffnung aber keine Bedingung sein: Selbst ohne Hoffnung müsste man weiterkämpfen. Neubauer erklärt, Hoffnung bedeute nicht zu glauben, dass alles von selbst gut wird. Hoffnung heißt für sie, zu erkennen: Ich kann etwas verändern – allein etwas Kleines oder mit anderen zusammen etwas Großes. In diesem Sinn sei Hoffnung realistisch.