Einen Führerschein in Deutschland gratis machen? Klingt unmöglich. Laut ADAC, dem größten Automobilclub des Landes, kostet die Fahrerlaubnis bis zu 4500 Euro – Tendenz steigend. Eine Kolumnistin von Deutsch perfekt hat trotzdem jede Menge kostenlose Führerscheine gefunden.
Natürlich geht es beim Auto auch etwas günstiger. Fahrschulen auf dem Land verlangen oft weniger Geld als in großen Städten. Und Kinder vom Dorf brauchen meistens weniger Fahrstunden: Mit zwölf sind sie schon Traktor gefahren, mit fünfzehn haben sie auf dem Hof einen Anhänger rückwärts rangiert. Und wenn der Bus nur zweimal am Tag fährt, ist die Motivation groß. Billig wird der Führerschein trotzdem nicht.
Die ersten Führerscheine gibt es dagegen umsonst – und schon im Kindergarten. Mit vier Jahren muss ein Kind etwas Schwieriges schaffen: seine erste Bastelarbeit mit der Schere. Die Theorie ist einfach („Nicht werfen!“), die Praxis heißt: schneiden. Und am Ende gibt es, wie es sich gehört, einen Nachweis: den Scheren-Führerschein. Manche Kitas gehen noch weiter und vergeben Führerscheine fürs Schleifenbinden, für den Heißkleber oder den Roller. Für jeden gibt es ein laminiertes Kärtchen.
In der Grundschule geht es weiter. Die Kinder der Autorin brachten aus dem Hort einen Holz-Führerschein mit. Ohne ihn durften sie in der Werkstatt nicht mit Säge und Handbohrer arbeiten. Andere Eltern erzählen vom Füller-Führerschein für Kinder, die gerade schreiben lernen, vom Nähmaschinen-Führerschein für die Handarbeits-AG – und natürlich vom Fahrrad-Führerschein.
Beim Fahrrad-Führerschein wird es ernst, denn hier kann man durchfallen. Genau das ist dem Sohn der Autorin passiert. Die ersten Führerscheine hatte er noch bestanden, doch bei der Praxisprüfung auf dem Fahrrad scheiterte er: Wegen einer Knieverletzung durfte er gar nicht erst starten. Der Verkehrspolizist blieb trotzdem konsequent und erklärte ihn kurz und trocken für durchgefallen – nicht gerade pädagogisch.
Zum Glück stellt so eine Prüfung keine Weichen fürs Leben. Radfahren ist für den Sohn trotzdem erlaubt – wie für alle anderen auch, ganz ohne Prüfung. Und eine Schere, eine Nähmaschine oder einen Füller darf man ebenfalls ohne Kärtchen benutzen. Beim Auto ist das leider anders: Ohne teure Fahrstunden und viel Theorie geht es nicht. Und wer nicht gleich beim ersten Versuch besteht, zahlt noch mehr. Immerhin bekommt man dann kein laminiertes Kärtchen, sondern eine Karte aus Hartplastik.
Einen Wunsch hat die Autorin für die Zukunft: Wenn ihr Sohn eines Tages seinen Autoführerschein hat, soll er noch einmal dem Polizisten von damals begegnen. Nur um ihm genauso kurz und trocken zu sagen: bestanden.