Heute werden jeden Tag rund 376 Milliarden E-Mails verschickt. Doch wie sah die allererste aus – und wann ist die erste E-Mail in Deutschland angekommen?
Im November 1971 arbeitete der amerikanische Informatiker Ray Tomlinson (1941–2016) bei der Firma BBN Technologies in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts. Dort sollten die Computer künftig auch für Nachrichten zwischen den Mitarbeitern genutzt werden. Der Plan klang allerdings ziemlich umständlich: Man tippt eine Nachricht ein, sie wird ausgedruckt und dem Empfänger ins Postfach gelegt. Tomlinson hatte eine bessere Idee. Er schickte die Nachricht direkt von einem Rechner zum anderen – das war die Geburtsstunde der E-Mail. Seine Firma war übrigens nicht irgendein Unternehmen: BBN hatte die Technik für das erste große Computernetz der USA mitentwickelt.
Für die Adresse brauchte er ein Zeichen, das den Namen des Empfängers vom Namen des Computers trennt. Er wählte das @, das damals nur selten benutzt wurde. So wurde ein fast vergessenes Zeichen weltberühmt: Heute steht es in jeder E-Mail-Adresse und ist auf jeder Tastatur der Welt zu finden. Verschickt wurden die ersten E-Mails über das ARPANET. Dieses Computernetz war ein Vorläufer des Internets und wurde vom Militär und von Universitäten genutzt.
Was genau in der ersten E-Mail stand, ist nicht überliefert. Tomlinson selbst vermutete später, dass es eine bedeutungslose Tastenfolge war, vielleicht „QWERTYUIOP“ – also einfach die obere Reihe der Buchstaben auf der Tastatur. Ein großer historischer Satz war es also bestimmt nicht.
In Deutschland kam die erste E-Mail aus dem Internet am 3. August 1984 an, um genau 10:14 Uhr. Der Empfänger war Michael Rotert, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Karlsruhe. Geschickt hatte sie eine Amerikanerin über das Netz CSNET, und zwar auf Deutsch – allerdings nicht ganz ohne Fehler. Der Betreff lautete nämlich „Wilkommen in CSNET“, mit nur einem l. Unterwegs war die Nachricht ganze 22 Stunden.
Heute dauert dasselbe nur ein paar Sekunden, und kaum jemand denkt noch daran, dass es vor gut 50 Jahren noch gar keine E-Mails gab. Aus der Universität Karlsruhe ist inzwischen das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) geworden. Und die E-Mail ist aus dem Alltag und aus dem Berufsleben kaum noch wegzudenken.