Ein lachendes Gesicht, ein Daumen hoch, ein Herz: In privaten Chats benutzt fast jeder Emojis. Aber was ist mit beruflichen Nachrichten? Die Psychologin Erin Courtice hat das untersucht.
Seit der Corona-Pandemie sind viele Beschäftigte auf Messenger wie Microsoft Teams oder Slack angewiesen. Emojis sind dort kaum noch wegzudenken. Trotzdem hat man bisher wenig erforscht, wie sie im Berufsalltag wirken. Für Courtice sind Emojis eine Art eigene Sprache – und keine einfache.
Für ihre Studie, die in der Fachzeitschrift „Collabra: Psychology“ erschienen ist, hat sie 243 Personen erfundene Nachrichten gezeigt. Angeblich kamen die Nachrichten von einem Kollegen oder einer Kollegin. Manche waren negativ, etwa: Jemand hat schon wieder den Drucker kaputt gemacht. Andere waren positiv oder neutral. Am Ende jeder Nachricht stand ein positives Emoji, ein negatives oder gar keins. Die Teilnehmenden sollten sagen, wie kompetent der Absender wirkt und ob die Nachricht angemessen ist.
Das wichtigste Ergebnis: Ohne Emoji ist man auf der sicheren Seite. Aber auch ein lachendes Gesicht ist meistens kein Problem. Wer es benutzt, wirkt trotzdem kompetent – jedenfalls wenn die Nachricht freundlich ist.
Schwierig wird es, wenn ein positives Emoji zu einem negativen Satz kommt. Ein Beispiel: Jemand schreibt, dass ein Bericht furchtbar ist – und setzt ein lachendes Gesicht dahinter. Solche gemischten Signale sind verwirrend und können passiv-aggressiv wirken. Kritik mit einem Smiley abzumildern ist also keine gute Idee. Am schlechtesten schnitten aber negative Emojis wie der wütende Smiley ab: Nachrichten mit ihnen fanden die Teilnehmenden fast nie professionell.
Courtice wollte auch wissen, ob das Geschlecht eine Rolle spielt. Darum sagte sie den Teilnehmenden, die Nachrichten seien von einer Frau oder von einem Mann. Das Ergebnis hat sie überrascht: Für die Bewertung der Kompetenz war das kaum wichtig. Im persönlichen Kontakt ist das nach Courtice oft anders: Wenn Frauen selbstbewusst auftreten, gelten sie schnell als unsympathisch, und wenn sie freundlich sind, als weniger kompetent. Im Chat sieht man die Person nicht – vielleicht spielen Stereotype dort deshalb eine kleinere Rolle. Nur in einem Punkt gab es einen Unterschied: Teilnehmerinnen fanden negative Emojis von Frauen unangemessener als von Männern.
Und wie schreibt die Forscherin selbst? Sie benutzt weiter Emojis, aber bewusster: Sie achtet darauf, wem sie schreibt, in welchem Kontext und was sie eigentlich sagen will. Denn Emojis können Wärme und Freundlichkeit zeigen und das Arbeitsklima verbessern. Es gibt aber auch Branchen, in denen sie unüblich sind und irritieren. Das merkt man dort meistens schnell.