Wer in Deutschland von einem Bienenstich spricht, kann zwei völlig verschiedene Dinge meinen: etwas, das wehtut – oder etwas, das man zum Nachmittagskaffee serviert. Klingt verwirrend? Ist es auch – aber nur ein bisschen.
Der Kuchen namens Bienenstich ist ein Klassiker in deutschen Cafés und Bäckereien. Er hat eine Füllung aus Vanillepudding und oben eine karamellisierte Kruste aus Mandeln. Der andere Bienenstich ist wörtlich gemeint: Wenn sich eine Biene nicht mehr zu helfen weiß, sticht sie zu. Das ist dann weniger lecker: Es gibt Gift in der Haut und eine schmerzhafte Schwellung.
Zwei Stiche an einem Tag
Die Kolumnistin Claudia May kennt beide Varianten. Ihre Tochter hat es als Dreijährige geschafft, an einem einzigen Tag zweimal gestochen zu werden – erst am nackten Fuß, dann an der Hand. Böse war die Mutter den Bienen trotzdem nicht. Die Tiere hätten auf der Blumenwiese nur ihre Arbeit gemacht, schreibt sie, und für den Stich mit ihrem Leben bezahlt.
Eine Heldin mit rundem Bauch
Außerdem ist May mit der Biene Maja aufgewachsen. Maja gibt es schon seit mehr als hundert Jahren. In Büchern und Filmen erlebt die kleine Biene viele Abenteuer – und meistens tut sie einfach, was sie selbst will. Die Bücher hat May zwar nie gelesen, aber die Fernsehserie hat sie als Kind begeistert geschaut. Bis heute nennt sie jeden Grashüpfer Flip – so heißt Majas kluger Freund – und jede Kreuzspinne Thekla, nach Majas Feindin.
Für May hat Maja ein echtes Kunststück geschafft: Sie hat alles, was krabbelt und kriecht, sympathisch gemacht. Und sie war anders als viele Heldinnen: mit rundem Bauch und Querstreifen. Als 2013 eine neue Serie mit einer schlanken Maja ins Fernsehen kam, gab es deshalb großen Protest. Auch May mochte die neue Maja nicht.
Wie der Kuchen zu seinem Namen kam
Auch in der Geschichte des Kuchens fliegen übrigens Bienen. Im 15. Jahrhundert wurde die Stadt Andernach am Rhein angegriffen. Einer Legende nach standen zwei junge Bäcker auf der Stadtmauer und warfen Bienenkörbe auf die Angreifer. Die wütenden Bienen flogen heraus, und die Feinde liefen schnell davon. Die Stadt war gerettet. Um den Sieg zu feiern, backten die Bäcker einen Kuchen mit Mandeln und Vanille – und nannten ihn Bienenstich.
Ein Ende, das der runden Maja sicher gefallen hätte: frech, ein bisschen chaotisch und ganz ohne Diät.