Jeden Tag sind in Deutschland rund 40.000 Züge unterwegs. Dass sie sicher fahren können, verdanken die Reisenden Menschen wie Eric Herrmann. Er arbeitet direkt auf den Gleisen – oft auch nachts.
Normalerweise ist es streng verboten, auf die Gleise zu gehen. Eric, 36, darf das: Er ist Gleisbauer bei der Deutschen Bahn. Heute arbeitet sein Team bei Golßen in Brandenburg. In einer Richtung ist die Strecke gesperrt, in der anderen fahren noch Züge vorbei – so nah, dass Eric sie fast berühren könnte. Deshalb gibt es strenge Regeln: Die Arbeiter tragen Schuhe mit Stahlkappen, einen Helm und leuchtend orange Kleidung, damit man sie schon von Weitem sieht.
Zu den Aufgaben von Gleisbauern gehört es, Gleise zu bauen und zu reparieren, Schienen zu montieren und Bahnübergänge in Ordnung zu halten. Heute tauscht das Team die Schwellen aus. Das sind Blöcke aus Beton, die unter den Schienen im Schotter liegen. Jede wiegt rund 300 Kilogramm, und auf zehn Meter Gleis kommen etwa 16 Stück. Die Schwellen halten das Gleis stabil. Sind sie kaputt, kann ein Zug im schlimmsten Fall entgleisen. Zuerst schneidet Eric die alte Schiene mit einer Maschine durch – dabei sprühen Funken.
Früher war die Arbeit viel härter. Im 19. Jahrhundert legte man die Gleise fast nur mit Muskelkraft, und die Schwellen waren schwere, dicke Holzbalken. Ganze Gruppen von Arbeitern mussten sie tragen. Heute helfen Spezialmaschinen. Eine besonders große heißt „SUM“ – kurz für „schnelle Umbaumaschine“. Sie ist ungefähr zehnmal so lang wie ein Schulbus, hebt die Schienen mit einem Greifarm hoch und legt neue Schwellen ins Gleis. So schafft das Team an einem Arbeitstag rund 850 Meter.
Deutschland hat mit rund 39.000 Kilometern das längste Eisenbahnnetz der Europäischen Union. Strecken mit viel Verkehr müssen alle sechs Jahre erneuert werden. Deshalb gibt es eigentlich immer irgendwo eine Baustelle – und für die Reisenden Umleitungen und Verspätungen. Wenn es Verzögerungen gibt, arbeitet ein Team am Tag und ein anderes in der Nacht, mit großen Lampen. Auch das Wetter kann Probleme machen: Im letzten Winter hat der viele Schnee das Team wochenlang aufgehalten – es kam kaum voran. Höchstens zehn Tage bleibt das Team an einer Baustelle und schläft im Hotel, dann hat es frei.
Wer Gleisbauer werden will, macht eine Ausbildung. Sie dauert drei Jahre. In Deutschland gibt es rund 6600 Gleisbau-Fachkräfte. Sie verdienen etwa 4500 Euro im Monat – davon gehen noch Steuern ab. Man sollte gern im Team arbeiten, bei jedem Wetter draußen sein und keine Angst vor Lärm haben. Nichts für Langschläfer: Oft wird auch nachts gearbeitet. Eric war schon als kleiner Junge ein Fan von Zügen – sein Vater war auch Gleisbauer. Am schönsten an seinem Beruf findet er, dass er am Abend sieht, was er geschafft hat.