Seit 150 Jahren gibt es in der kleinen bayerischen Stadt Bayreuth ein Festival mit Musik von nur einem einzigen Komponisten: Richard Wagner. Die Bayreuther Festspiele sind weltberühmt – und ihre Geschichte ist nicht immer schön.
Richard Wagner (1813–1883) kam aus Leipzig. Er wünschte sich ein Theater weit weg von den großen Städten, in dem nur seine eigenen Werke gespielt werden sollten. Seine Wahl fiel auf die kleine, stille Stadt Bayreuth in Nordbayern. Dort entstand nur für ihn ein neues Opernhaus. 1876 wurde es mit der Oper „Rheingold“ eröffnet. Viele berühmte Gäste kamen, zum Beispiel die Komponisten Franz Liszt und Peter Tschaikowski, der Philosoph Friedrich Nietzsche und Kaiser Wilhelm I.
Der Anfang war schwer: Die ersten Festspiele brachten ein großes Defizit, und das Haus stand danach sechs Jahre leer. 1882 wurde dort die Oper „Parsifal“ zum ersten Mal gespielt. Ein Jahr später starb Wagner in Venedig. Das Festival leitet seitdem immer jemand aus seiner Familie. Zuerst übernahm seine Frau Cosima, eine Tochter von Franz Liszt. Mit strenger Hand und guter Werbung machte sie die Festspiele auf der ganzen Welt bekannt.
Dann kamen dunkle Jahre. Schon in den 1920er-Jahren war die Stimmung im Festspielhaus nationalistisch. Adolf Hitler war ein enger Freund der Familie und besuchte die Festspiele 1925 zum ersten Mal. Ab 1930 leitete Winifred Wagner, die Schwiegertochter des Komponisten, das Festival. Sie war eine überzeugte Anhängerin Hitlers und wollte, dass keine jüdischen Musikerinnen und Musiker mehr mitspielen. In der Zeit des Nationalsozialismus waren die Festspiele eng mit dem Regime verbunden.
Nach dem Krieg gaben Winifreds Söhne Wieland und Wolfgang dem Festival eine neue Richtung. 1951 begann das sogenannte „Neu-Bayreuth“: moderne Inszenierungen und ein klarer Bruch mit den Ideen der Nazis. Seit 2008 leitet Katharina Wagner, die Tochter von Wolfgang, die Festspiele. Sie hat sie modernisiert: Es gibt zum Beispiel Angebote für Kinder und Open-Air-Konzerte mit freiem Eintritt.
Ein Thema bleibt aber schwierig: der Antisemitismus. Richard Wagner selbst war Antisemit und schrieb schon 1850 einen Text gegen Juden in der Musik. Viele Fans sagen, man müsse das Werk und den Künstler trennen. Im Jubiläumsjahr 2026 gab es wieder Ärger: Der jüdische Publizist Michel Friedman sollte über jüdische Künstler sprechen, die von den Nazis ermordet wurden. Kurz vorher wurde sein Vortrag von den Festspielen abgesagt. Nach heftiger Kritik entschuldigte sich Katharina Wagner einen Tag später und lud ihn wieder ein.
Und die Zukunft? Die New York Times hat Bayreuth in ihre Liste „52 Places to Go“ für 2026 aufgenommen. Trotzdem wird das Publikum älter und kleiner, und es kommen zu wenige junge Leute nach. Früher musste man Karten lange im Voraus bestellen. Heute kann man sie einfach im Internet kaufen, und manchmal bleiben sogar Plätze leer.