Regel
Gebrauch der Tempusformen
Für die Gegenwart benutzt man das Präsens. Oft beschreibt das Präsens auch die Zukunft. Für die Vergangenheit hat das Deutsche drei Zeitformen: Perfekt, Präteritum und Plusquamperfekt. Perfekt und Präteritum bedeuten meistens dasselbe. Der Unterschied liegt in der Situation: Spricht man oder schreibt man? Ist es ein Gespräch, ein Märchen, eine Nachricht oder eine Inhaltsangabe? Das Plusquamperfekt zeigt: Das ist noch früher passiert.
Die vier Zeitformen: kurz wiederholt
| Zeitform | spielen (schwach) | fahren (stark) | sein |
|---|---|---|---|
| Präsens | er spielt | er fährt | er ist |
| Perfekt | er hat gespielt | er ist gefahren | er ist gewesen |
| Präteritum | er spielte | er fuhr | er war |
| Plusquamperfekt | er hatte gespielt | er war gefahren | er war gewesen |
Perfekt = haben / sein im Präsens + Partizip II. Plusquamperfekt = haben / sein im Präteritum + Partizip II.
Präsens: jetzt, immer und allgemein gültig
| Wann? | Beispiel |
|---|---|
| Es passiert gerade jetzt. | Schau mal, da läuft eine Katze über die Straße! |
| Es hat früher begonnen und dauert noch. | Wir wohnen seit fünf Jahren in Lwiw. |
| Es passiert regelmäßig. | Montags hat Tim Basketballtraining. |
| Es gilt immer: Natur, Regeln, Wissen. | Wasser kocht bei 100 Grad. In der Bibliothek spricht man leise. |
„Warte kurz, ich komme gleich!“
Wer zu spät kommt, wartet vor der Tür. (eine Regel)
seit + Zeitraum, und es dauert noch → Präsens: Ich lerne seit zwei Jahren Deutsch.
Präsens für die Zukunft: Morgen schreiben wir einen Test
Morgen schreiben wir einen Mathetest.
Nächsten Sommer fahren wir ans Meer.
Am Freitag beginnen die Ferien. Dann bekomme ich endlich mein Zeugnis.
Man braucht eine Zeitangabe (morgen, am Freitag, nächste Woche) oder der Kontext zeigt klar: Das ist Zukunft.
Ist die Zukunft durch eine Zeitangabe klar, reicht das Präsens. Das Futur I ist dann nicht nötig.
Präsens in Texten: direkte Rede, Inhaltsangabe, Rezension
| Textsorte | Beispiel |
|---|---|
| direkte Rede in einer Erzählung | Lena rief: „Ich habe keine Zeit, mein Bus kommt gleich!“ |
| Inhaltsangabe (Buch, Film, Theaterstück) | Im Roman lebt ein Junge allein auf einer Insel. Er baut eine Hütte und findet einen Freund. |
| Kritik, Rezension | Die Autorin schreibt spannend, aber das Ende ist zu kurz. |
| Interview, Reportage | „Müller läuft, er schießt – Tor!“ (Radioreportage) |
Auch wenn die Erzählung im Präteritum steht: Was eine Person direkt sagt, steht in der Zeit, die sie im Moment des Sprechens benutzt – also oft Präsens oder Perfekt.
Inhaltsangabe = Präsens. Was vor der Handlung passiert ist, steht im Perfekt.
Tom ist traurig, weil sein Hund verschwunden ist. Er sucht ihn überall.
Historisches Präsens: Geschichte und spannende Momente
In Geschichtstexten und Zeittafeln steht oft das Präsens, obwohl alles lange vorbei ist:
1886 baut Carl Benz das erste Auto.
Am 24. August 1991 wird die Ukraine unabhängig.
In einer Erzählung im Präteritum kann der Erzähler für einen besonders spannenden Moment ins Präsens wechseln. So wirkt die Szene, als ob sie gerade jetzt passiert:
Wir saßen still im Zelt. Draußen war es dunkel. Plötzlich hören wir ein Geräusch. Jemand öffnet langsam den Reißverschluss …
Perfekt: Vergangenheit beim Sprechen
Im Gespräch, am Telefon, in einer Sprachnachricht, im Chat oder in einem persönlichen Brief erzählt man über die Vergangenheit meistens im Perfekt:
„Was hast du am Wochenende gemacht?“ – „Ich habe mit Oma Kuchen gebacken und bin Rad gefahren.“
In der Grundschule habe ich mich oft gelangweilt.
Auch in einem geschriebenen Text steht die direkte Rede oft im Perfekt – weil die Person spricht:
Tim sagte: „Ich habe mein Handy im Bus vergessen.“
Sprechen über die Vergangenheit → Perfekt.
Perfekt: das Ergebnis ist jetzt wichtig
Das Perfekt benutzt man auch, wenn eine vergangene Handlung ein Ergebnis hat, das jetzt noch wichtig ist:
Ich habe mir das Bein gebrochen. Ich kann heute nicht zum Training.
Endlich hat der Regen aufgehört! Wir können rausgehen.
Seit man das Internet erfunden hat, kann man überall Informationen finden.
Perfekt vor Präsens: zwei Zeiten in einem Satz
Im Satzgefüge (Hauptsatz + Nebensatz) passen Präsens und Perfekt zusammen. Die Handlung im Perfekt ist vorher passiert:
Nachdem ich die Hausaufgaben gemacht habe, gehe ich raus.
Weil er den Bus verpasst hat, kommt er zu spät.
Seit meine Freundin umgezogen ist, sehen wir uns selten.
Was du gerade gesagt hast, verstehe ich nicht.
| Später (Bezugspunkt) | Früher |
|---|---|
| Präsens: ich gehe | Perfekt: ich habe gemacht |
| Präteritum: ich ging | Plusquamperfekt: ich hatte gemacht |
Hauptsatz im Präsens → die frühere Handlung im Perfekt.
Präteritum: die Zeit des Erzählens
Märchen, Romane, Erzählungen und Aufsätze in der Schule schreibt man im Präteritum:
Es war einmal ein kleiner Drache. Er wohnte in einer Höhle und konnte kein Feuer spucken. Eines Tages traf er ein Mädchen …
Am ersten Ferientag fuhren wir früh los. Ich schlief im Auto sofort ein.
Das Präteritum bedeutet nicht „weiter weg“ als das Perfekt – es ist einfach die typische Zeit des geschriebenen Erzählens.
Es gibt Ausnahmen: Manche modernen Romane sind ganz im Präsens geschrieben, und ein Roman in Briefen oder als Tagebuch benutzt oft das Perfekt.
Geschriebene Erzählung → Präteritum.
Nachrichten und Berichte: erst Perfekt, dann Präteritum
In Zeitung, Radio und Fernsehen steht der Bericht über ein Ereignis im Präteritum. Oft beginnt die Nachricht aber mit einem Satz im Perfekt – er sagt kurz, was Neues passiert ist. Die Details folgen dann im Präteritum:
In Hamburg hat es am Montag einen großen Stromausfall gegeben. Tausende Menschen saßen stundenlang im Dunkeln. Die Straßenbahnen fuhren nicht, und viele Geschäfte schlossen früher.
Nachricht: 1. Satz oft im Perfekt, danach Präteritum.
Erzählen im Alltag: vom Perfekt ins Präteritum
Wenn man privat von einem Erlebnis erzählt – mündlich oder in einem Brief – wechselt man oft ziemlich frei zwischen Perfekt und Präteritum. Typisch ist: Man beginnt mit einem persönlichen Satz im Perfekt. Sobald man richtig erzählt, wechselt man ins Präteritum:
Stell dir vor, was mir gestern passiert ist! Ich bin gerade aus der Schule gekommen, da stand plötzlich ein Pferd auf unserer Straße. Alle Nachbarn liefen raus und machten Fotos.
war, hatte, konnte: Präteritum auch beim Sprechen
Bei sein, haben und den Modalverben benutzt man auch im Gespräch meistens das Präteritum. Die Perfektformen klingen hier lang und schwer:
| im Gespräch üblich | seltener |
|---|---|
| Ich war gestern krank. | Ich bin gestern krank gewesen. |
| Wir hatten keine Zeit. | Wir haben keine Zeit gehabt. |
| Ich konnte nicht kommen. | Ich habe nicht kommen können. |
| Sie wollte ins Kino. | Sie hat ins Kino gewollt. |
Oft mischt man in einem Satz:
Ich war so müde, weil ich schlecht geschlafen habe.
Ich musste lange warten, und dann ist der Bus gar nicht gekommen.
Auch beim Sprechen: war, hatte, konnte, musste, wollte, durfte, sollte.
Plusquamperfekt: noch früher als das Präteritum
Das Plusquamperfekt zeigt eine Handlung, die vor einer anderen Handlung in der Vergangenheit passiert ist. Man braucht also immer einen Bezugspunkt im Präteritum:
Als wir am Bahnhof ankamen, war der Zug schon abgefahren.
Lena war traurig. Ihr Hamster war weggelaufen.
Der Junge stand vor der Tür, denn er hatte seinen Schlüssel verloren.
| 1. (noch früher) | 2. (Vergangenheit) | 3. (jetzt) |
|---|---|---|
| Plusquamperfekt: der Zug war abgefahren | Präteritum: wir kamen an | Präsens |
Plusquamperfekt = vor dem Präteritum. Ohne eine Präteritum-Handlung braucht man es nicht.
Plusquamperfekt vor Präteritum: zwei Zeiten in einem Satz
So wie Präsens und Perfekt, passen auch Präteritum und Plusquamperfekt im Satzgefüge zusammen. Die Handlung im Plusquamperfekt ist immer früher:
Nachdem wir gegessen hatten, spielten wir Karten.
Er fand den Weg nicht, weil er die Karte vergessen hatte.
Was sie erzählt hatte, glaubte niemand.
| nachdem-Satz (früher) | Hauptsatz (später) |
|---|---|
| Nachdem ich gegessen habe, … | … gehe ich raus. ✓ |
| Nachdem ich gegessen hatte, … | … ging ich raus. ✓ |
| Nachdem ich gegessen hatte, … | … gehe ich raus. ✗ |
Präsens + Perfekt, Präteritum + Plusquamperfekt – nicht mischen.
Lange Rückblicke: zurück ins Präteritum
Manchmal erzählt man eine lange Vorgeschichte, die ganz vor der Haupthandlung liegt. Dann stehen nur die ersten ein oder zwei Sätze im Plusquamperfekt. Danach wechselt der Erzähler ins Präteritum – der Leser weiß ja schon, dass das früher war:
Als ich am Montag in die Klasse kam, sah alles anders aus. Am Wochenende hatten Maler die Wände gestrichen. Sie hatten die alten Tische weggebracht. Dann stellten sie neue Tische auf und hängten eine große Weltkarte an die Wand.
Mündlich: Plusquamperfekt und dann Perfekt
Im Gespräch hört man auch: ein Teilsatz im Plusquamperfekt, danach eine Aussage im Perfekt.
Alles, was ich vorher gelernt hatte, habe ich in der Prüfung vergessen.
Weil ich meine Brille zu Hause vergessen hatte, habe ich nichts gesehen.
In einem geschriebenen Text schreibt man besser: …, vergaß ich in der Prüfung. / …, sah ich nichts.
Alles auf einen Blick
| Situation | Zeitform |
|---|---|
| jetzt, regelmäßig, allgemein gültig; seit … und es dauert noch | Präsens |
| Zukunft mit Zeitangabe (morgen, am Freitag) | Präsens |
| Inhaltsangabe, Rezension, Reportage | Präsens |
| Geschichte, Zeittafel; ein spannender Moment in einer Erzählung | Präsens (historisches Präsens) |
| Gespräch, Chat, persönlicher Brief, direkte Rede | Perfekt (aber: war, hatte, konnte …) |
| Aufsatz, Märchen, Roman, Erzählung | Präteritum |
| Nachricht, Bericht | 1. Satz Perfekt, dann Präteritum |
| früher als eine Handlung im Präsens | Perfekt |
| früher als eine Handlung im Präteritum | Plusquamperfekt |
Üb. 1
Wozu steht hier das Präsens?
У всіх реченнях — Präsens. Розсортуй їх: для чого тут теперішній час — дія зараз чи регулярно, майбутнє, те, що діє завжди, переказ або відгук, чи історична подія?
Üb. 2
Welche Zeit passt?
Обери правильну відповідь: який час доречний у цій ситуації або який варіант речення правильний.
Üb. 3
Eine Nachricht aus Köln
Прочитай новину. Натисни на всі дієслова в Präteritum. Зверни увагу, з якого часу новина починається і яким закінчується.
In Köln hat am Samstag ein großes Stadtfest begonnen. Rund 50.000 Menschen kamen in die Altstadt. Auf drei Bühnen spielten Bands aus ganz Europa. Am Nachmittag gab es plötzlich ein starkes Gewitter. Die Veranstalter unterbrachen das Programm für eine Stunde. Viele Besucher warteten in Cafés und Geschäften. Verletzt wurde niemand. Am Abend ging das Fest weiter. Die Bürgermeisterin sprach von einem großen Erfolg. Morgen endet das Stadtfest mit einem Feuerwerk. Der Eintritt ist frei.
Üb. 4
Zeitenfolge: Präsens + Perfekt, Präteritum + Plusquamperfekt
Обери форму, яка утворює правильну «пару» часів з іншою частиною речення.
Üb. 5
Was war noch früher?
Встав дієслово з дужок у Plusquamperfekt. Якщо пропусків два — у перший допоміжне дієслово (hatte / war у потрібній формі), у другий Partizip II. Якщо один (у підрядному реченні) — пиши обидва слова в правильному порядку.
Üb. 6
Vom Gespräch zum Aufsatz
Тім розповів другові про вихідні в Perfekt. Тепер він пише шкільний твір. Перепиши кожне речення в Präteritum, зберігаючи порядок слів.
Üb. 7
Sätze bauen
Склади речення: натискай слова по черзі; натиснеш на вже поставлене — воно повернеться назад. Стеж, щоб часи в реченні утворювали правильну пару.
Üb. 8
Der verlorene Rucksack
Це розповідь у Präteritum з прямою мовою. Встав дієслова з дужок у потрібному часі: Präteritum, Plusquamperfekt, Perfekt чи Präsens. Кількість пропусків підказує, чи форма складена.
Letzten Freitag (fahren) Max mit dem Bus nach Hause. Er (sein) sehr müde, denn er in der Nacht davor kaum (schlafen). Zu Hause (merken) er plötzlich: Sein Rucksack war weg! Er ihn im Bus (vergessen). Max (anrufen) sofort seine Mutter an. „Mama, ich meinen Rucksack (verlieren)!“, (rufen) er. „Mein Handy und mein Mathebuch (sein) drin!“ – „Keine Panik“, (sagen) die Mutter. „Wir (anrufen) jetzt bei der Busfirma an.“ Eine Stunde später (klingeln) das Telefon. Ein Busfahrer den Rucksack (finden). Am nächsten Morgen (abholen) Max ihn im Büro ab. Nachdem er alles (kontrollieren), (lachen) er: Nichts (fehlen).
Fertig!
Das Wichtigste
Beim Sprechen erzählt man im Perfekt, beim Schreiben einer Geschichte im Präteritum. Aber war, hatte und die Modalverben stehen auch im Gespräch meistens im Präteritum. Inhaltsangaben, Regeln und die Zukunft mit Zeitangabe stehen im Präsens. Was vor einer Präteritum-Handlung passiert ist, steht im Plusquamperfekt; was vor einer Präsens-Handlung passiert ist, im Perfekt.
Де це ще трапляється